Ein leises Knistern, begleitet von ploppenden Geräuschen, füllt den Raum – eine klangliche Irritation, die Bewegung suggeriert, während die Skulpturen selbst statisch erscheinen. In "Defining a Sculpture’s Comfort Zone" setzt sich die Künstlerin Marit Wolters mit den Übergängen zwischen Skulptur und Architektur auseinander. Ihre Arbeiten zeigen eine faszinierende Materialität, in der sich physikalische und chemische Prozesse mit ästhetischen Überlegungen verbinden. Wolters experimentiert mit Porenbeton, einem Material, das durch chemische Reaktionen in einen voluminösen, porösen Zustand übergeht. Die zylindrischen Skulpturen der Ausstellung, die an architektonische Elemente wie Säulen erinnern, aber auch natürliche Formationen wie Baumstämme oder geologische Bohrkerne evozieren, sind Ergebnisse dieses Prozesses. Die Künstlerin überlässt dem Material eine eigene Dynamik und stellt die Frage, wie sich ortsspezifische Werke zu anderen Räumen verhalten.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Gitterstrukturen, Reliefs und bedruckte Stoffe, die ebenfalls auf Wolters intensive Beschäftigung mit Ludwig Mies van der Rohes ikonischer Villa Tugendhat verweisen. Die Ausstellung greift diese ortsspezifischen Referenzen auf und überführt sie in den Kunstraum Memphis – eine Reflexion über das Verhältnis von Skulptur und Raum sowie die Übertragbarkeit von Ortsbezügen.
Marit Wolters (*1985) studierte Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und war Stipendiatin u. a. am Bauhaus Dessau. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, darunter in Brünn, Barcelona und Wien. In ihren skulpturalen Untersuchungen setzt sie sich intensiv mit Materialeigenschaften und deren prozesshaften Veränderungen auseinander.
Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Text der Kunsthistorikerin und Kuratorin Verena Gamper.