Die Ausstellung „We are telling all of you, but we are not telling anyone else” präsentiert ein Werkensemble von Noor Abuarafeh, bestehend aus Videos, Videoinstallationen und Druckgrafiken. Die Arbeiten untersuchen das Konzept der Verweigerung im Verhältnis zu unserer gegenwärtigen Perspektive auf Geschichte und suchen nach alternativen Formen des Erinnerns und der Konstruktion historischer Erzählungen jenseits institutioneller Rahmen wie Archive und Museen.
Vor dem Hintergrund einer langen Geschichte an Versprechungen, Museen in Palästina zu errichten, befragt Abuarafeh das Museum selbst: seine Form, seine Relevanz, seine Gültigkeit in einem Kontext, in dem die Vergangenheit nicht vergeht, sondern beharrlich präsent bleibt. Was kann in einem kolonialisierten Raum überhaupt als Geschichte betrachtet werden?
Die Erzählungen derunterschiedlichen Arbeitenentfalten sich in Gesprächen mit Menschen, die eine besondere Beziehung zu Archiven, Museen und Kunstwerken entwickelt haben; Beziehungen, die nicht in der Materialität verwurzelt sind, sondern darin, Objekte von ihrer physischen Form zu lösen. Dazu zählen die Bewahrung der Erinnerung an eine verschwundene Ausstellung aus dem Jahr 2005 – verstanden als Hinweis darauf, dass ihre Rückkehr nie vorgesehen war –, die Auseinandersetzung mit Schwarz-Weiss-Fotografien, deren Besitzer sich der Nostalgie für die dargestellte Zeit verweigert, die Betrachtung von Objekten, die nie für eine museale Präsentation bestimmt waren, sowie der Schutz von Kunstwerken und Archiven davor, in kolonialen Institutionen zu enden, indem sie verbrannt oder im Boden vergraben werden.
Jede dieser Gesten verschiebt das Verhältnis von Objekt und Geschichte. Sie löst die Dinge aus ihrer materiellen Bindung und macht Erinnerung zur Handlung – zuAkten der Emanzipation.
„Wir erzählen es euch allen, aber wir erzählen es niemand anderem“ – Fred Moten und Stefano Harney (2010, S. 5)
